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Nachdem ich das Rock im Park Wochenende endlich verdaut und geistig aufgearbeitet habe, wird´s Zeit das Erlebte mal niederzuschreiben. Zum reinen Vergnügen war ich schon seit Jahren nicht mehr auf diesem Festival. Ich persönlich bin nämlich der Meinung das Preise bis 180 EUR für drei Tage mit einem Line Up das zwar vor 15-20 Jahren total hip und trendy gewesen wäre – heutzutage aber nur noch nostalgischen Wert hat, einfach zu viel sind!
Da stört es auch nicht weiter ein wenig die Arbeitskeule zu schwingen und im Auftrag des Rocks ein paar Interviews zu machen. Das hört sich im ersten Moment vielleicht nach glamourösem Eierschaukeln und nach “ich häng’ ein wenig mit den Stars ab” an, aber diesen Zahn kann ich dem geneigten Leser dieser Zeilen aber gleich mal ziehen. Die Vorbereitungen auf solch ein Wochenende starten schon eine knappe Woche im Voraus mit dem Studieren der für Interviews angefragten Bands. Nicht weiter anstrengend. Dann rückt der erste Tag näher und die Gedanken kreisen fortwährend um die zu stellenden Fragen: “Sind die Bands wohl entspannt?”, “Kann ich eine solche Frage stellen?”, “Wie kitzle ich die besten Antworten aus den Künstlern raus?” und “Hoffentlich haben die Manager keinen Stock im Arsch!”. Jedes Jahr auf´s neue eine Herausforderung, denn schließlich möchte man den Hörer/ Videoblog-Gucker ja nicht mit alten abgedroschenen Fragen langweilen.
Vorbereitungen also getroffen, Sonnencreme an der Frau, Outfit und Haar sitzen, los geht´s! In heller Vorfreude auf das erste Highlight – Eine viertel Stunde mit Tim, dem Sänger von Rise Against, der genau wie ich es erwartet habe einer der entspanntesten, höflichsten und coolsten Säue ist die man im Rockzirkus so antreffen kann.
Bevor man solch ein Interview überhaupt führen kann muss man aber erst mal ins “Allerheiligste” – den Backstage. In den wildesten Fantasien sieht man, ähnlich wie im Schlaraffenland, Champagner aus Brunnen fließen, persönliche Star-Diener die den Bands jeden Wunsch von den Lippen ablesen und Rockstars die sich den ganzen lieben langen Tag mit halbnackten Playmates umgeben. Wären wir jetzt beim Radio würde ich ein ganz fieses, kratzendes Geräusch einspielen, welches uns aus dieser Imagination herausreißt! Denn so ist es Backstage auf einem Festival nicht. Vielmehr sieht man viele fleißige Helferlein die über das Gelände wuseln, Menschen die zwar total wichtig sind, aber nicht danach aussehen, grimmig drein schauende Securitys, und Menschen die meinen sie wären überaus wichtig, es aber bei weitem nicht sind (das ist die übrigens die schlimmste Gattung der Backstage-Menschen).
Das Gespräch mit Tim lief prima, hab bei der Gelegenheit herausgefunden das wir beide total auf Dallas Green stehen der neben seinem Job bei Alexisonfire ein großartiges Akustik-Projekt namens City and Colour hat.
Ab in die Hitze. Als ich meine Menschen am alt angestammten Platz getroffen habe, und feststellen musste das über die Hälfte schon am ersten Tag auf einem guten Weg waren sich Verbrennungen dritten Grades auf Gesicht und Armen zuzuziehen, wusste ich wieder warum ich (die ich übrigens noch nie einen Sonnebrand erlitten habe) doch ein Tube Sonnencreme in der Tasche hatte.
Wieder Backstage (der sich nach wie vor aus den oben genannten Menschen zusammensetzt) treffe ich mich mit den Jungs von Foals geile Band – und damit das Interview auch einen britischen Akzent bekommt, reißen wir uns erst mal ein Bierchen auf. 10 Bier und ein paar Konzerte später ist Tag eins auch schon vorbei.
Tag 2: Schon wieder dieser Backstage. Langsam kennt man schon seine Pappenheimer – die wirklich bewundernswert standhaften Security-Leute, die den ganzen Tag in der sängenden Sonne alle Ein- und Ausgänge bewachen. Ein freundliches Lächeln und eine Dose Red Bull die ich frisch von dem Sampling-Girl aufgedrängt bekommen hab, machen selbst den härtesten Security wieder gut gelaunt.
Ein Date mit Stone Sour steht jetzt auf dem Programm. Erstes gutes Zeichen, ihr Promoter ist ‘ne coole Sau. Ick freu mir! Josh der Gitarrist, ein netter aber leicht Wortkarger Typ, wartet schon. Das Gespräch nahm eine überraschend witzige Wendung als sich zu unserem Vier-Augen-Gespräch noch ein anderes Bandmitglied hinzugesellt. Ein Typ kommt, haut die witzigste Story des ganzen Tages raus und verschwindet wieder. Es ging um Nacktheit in der Band, und ich war kurz davor Tränen zu lachen… Als er sehr belustigt den Raum mit runtergelassenen Hosen wieder verlässt fällt mir auf – heilige Scheiße – das war James Root!
Tag 3: Zu viel Mojito, Bier, Wein, laute Musik und Laber-Rhabarber. Die Stimme hängt. “Hat jemand meine Stimme gesehen?” krächtze ich über den Platz. Irgendwo zwischen heute Morgen um sechs und drei Stunden Schlaf ist die mir irgendwie abhanden gekommen. Jedes mal der gleiche Scheiß. Und dabei werde ich heute doch JAAAREED treffen.
Naja, muss ja irgendwie. Nach gefühlten 18 geplatzten Interviews mit 30 Seconds to Mars wollte ich gar nicht richtig dran glauben das es ausgerechnet heute mal klappen sollte. Wäre mit in Anbetracht der stimmlichen Tatsache auch ganz recht gewesen. Aber da der Teufel ein Eichhörnchen ist (und bestimmt auch an dieser Stimmproblematik schuld hat) klappt das Interview und ich stehe vor einem Typ mit Stahlblauen Augen und rosa Irokesenschnitt. Er so: “Coole Haare”. Ich so: “Danke Ebenfalls (krächtz)”.
War nicht das einfachste Interview das ich je geführt habe, da Mr. Leto beschlossen hat heute in einer Lautstärke von 2 dB zu sprechen und ich alle Mühe hatte noch einen Ton aus meinem Hals zu quetschen. “Nett” würde es vielleicht am treffensden beschreiben. Keine Spektakulären Storys, da er meinte er hätte sowieso keine Geheimnisse da er ein “offenes Buch” sei.
Interview vorbei – Kate´s Laune im Eimer und Stimme gänzlich Kaputto, tritt Jared einen Schritt auf mich zu: “I like your outfit – gimme a hug!” Und ich finde mich in den Armen von Jared Leto wieder. Und als er sich dann zum zweiten Mal erkundigte ob ich mir den ihre Show später ansehen würde, dachte ich mir das er vielleicht doch nicht so genervt von diesem Gespräch war wie es den Anschein gemacht hat – oder nunmal einfach ein verdammter Hollywood-Schauspieler ist.
Eure
Kate Kaputto
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