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Labo-O-Kult - Die dunkle Seite der Schweiz

Labo-O-Kult – Die dunkle Seite der Schweiz


Datum: 20.07.2010
Kategorie: Tattoo

Die Schweiz – bekannt für sehr leckere Schokolade, ein dominantes Banken- und Versicherungswesen. Mit vielen kulturellen Bräuchen gehört sie zu den am dichtest besiedelten Ländern Europas. Doch es gibt dort auch ein sehr düsteres Plätzchen, ein Ort an dem alles was die Schweiz ausmacht wohl eher zweitrangig ist. Das Tattoo Studio Labo-O-Kult, welches von Guy und Katharina betrieben wird. Die beiden haben sich dem Dark Style verschrieben und zelebrieren ihre Leidenschaft in jenem Studio und in den Tattoos die dort gestochen werden.
Ich lernte beide vor einiger Zeit kennen, und war sofort begeistert von den Arbeiten die sie Abliefern.

Flo: Guy und Katharina, ihr seid die beiden Macher hinter dem Schweizer Tattoostudio Labo-O-Kult. Ich hatte das Vergnügen euch auf der Tattoo Convention in Frankfurt kennen zu lernen und muss sagen, euer Stand war sehr sehr düster (mit vielen Totenschädeln, Kerzen usw.) aufgebaut. Hat das eine bestimmte Bedeutung?

Labo-O-Kult: Ja, wir wollen mit unserem Stand unseren Stil reflektieren und uns auch von der Masse abheben. Wir wollen die Leute anziehen, die Interesse an Tätowierungen der dunkleren Art haben und der Stand soll abschreckend für die Masse wirken, so entsteht eine Art natürliche Auswahl der Kundschaft (grinst).


Flo: Wie kam der Hang zu dieser dunklen Seite, bzw. was fasziniert euch daran so?

Labo-O-Kult: Unser Interesse gilt der Dualität Leben – Tod, Licht, Schatten, dem Memento Mori, ohne Tod kein Leben, alles ist vergänglich. Es ist wie mit Horrorfilmen, dir wir ebenfalls lieben, der Nervenkitzel des Momentes, ein Ventil, um die Sachen im Leben auszuhalten, die eigentlich zu unerträglich und zu schockierend sind um sie ohne Schreikrämpfe auszuhalten. Es gibt keine persönliche Entwicklung ohne sich den inneren und äußeren Dämonen zu stellen.

Flo: Was verbirgt sich hinter dem Namen eures Studios, Labo-O-Kult?

Labo-O-Kult: Wir wollten einen Namen, der lautmalerisch gut tönt (in Französisch, Deutsch und Englisch) und ebenfalls die Essenz von unserem Stil rüberbringt. Zudem sollte er nicht einengend nur auf Tätowierungen bezogen sein, da Labo-O-Kult ja eine Zusammenarbeit von uns zwei ist, Guy, dem Tätowierer, Zeichner und Airbrusher und Katharina, der Organisatorin und Kommunikations-Designerin.

“Labo” ist vom Wort Laboratorium abgeleitet, dem Ort der Experimente und der Erfahrungen, also unser Arbeitsort. Mit “Kult” wollten wir die Wichtigkeit des Ritus der Veränderung durch eine Tätowierung unterstreichen, sich tätowieren zu lassen, sollte eine ritualisierte Handlung sein. Das “O” verbindet den Ort mit der Handlung und ergibt zudem einen zusätzlichen Sinn, denn zusammen mit “Kult”, steht es für okkult, was ursprünglich verborgen, versteckt, geheim meint, so wie unser Stil auch nicht einfach zugänglich ist und nicht jeder Mann oder jeder Frau Sache.

Flo: Auch hier bleibt die allgegenwärtige Frage an einen Tätowierer nicht aus, seit wann Guy tätowierst du und wie bist du dazu gekommen?

Labo-O-Kult: Schon als Kind war ich von Tätowierungen fasziniert und ich liebte es mich mit Kaugummi-Tattoobildchen voll zu klecksen. Als ich etwa zwanzig war, habe ich mir das erste Tattoo stechen lassen, da wusste ich, dass ich Tätowierer werden will. Ich habe angefangen zu zeichnen, dann hat mir ein Freund eine alte Tätowiermaschine verkauft und eine Bekannte gab mir eine Adresse, wo ich Material einkaufen konnte.

Ich habe dann mich selbst tätowiert. Zu dieser Zeit lebten wir in besetzen Häusern und ich hatte das Glück, dass viele Bekannte aus der Punkszene mir ihre Haut anvertrauten. So konnte ich mir die Technik aneignen. Ich bin ein Autodidakt, da gab es viele Rückschläge und Frustrationen jedoch auch Erfolgserlebnisse. Um mich weiterzuentwickeln zeichnete und zeichne ich viel, für mich ist das die Grundlage. Ich habe zudem viele Tattoomagazine angesehen und versucht die Tätowierungen, die mir gefallen haben zu verstehen und zu begreifen, wie sie gestochen wurden. Ebenfalls konnte ich beim “Über-die-Schulter-Schauen” bei guten Tätowierern viel lernen, was mir geholfen hat gewisse “Tricks” zu beherrschen um mich zu verbessern. Mit einigen Unterbrechungen tätowiere ich seit ca. 13 Jahren und seit Ende 2008 konzentriere ich mich auf einen Stil, indem ich versuche ein dunkles und eigenwilliges Universum zu kreieren, mit meiner eigenen zeichnerischen Ästhetik.

Flo: Überwiegend tätowierst du Totenschädel, Voodoopuppen, böse Clowns und ähnliche düstere Motive. Hast du diesen Stil von Anfang an gestochen oder kam das erst mit der Zeit?

Labo-O-Kult: Nein, am Anfang stichst Du alles, ich hatte zuerst eine Vorliebe für schwarze Stammes-Tätowierungen (Samoa, Marquesas etc.), daher auch mein erster Name “Primitive Tattoo”, danach stach ich vermehrt den japanischen Stil. All dies ist jedoch nicht meine Kultur und zudem wurden Tattoos immer mehr Mode und Belanglosigkeit machte sich breit. Der ganze Zirkus hat mir die Liebe zum Tattoo fast verdorben und ich habe mich zurückgezogen und fast zwei Jahre “nur” noch gezeichnet, bis mir die Auseinandersetzung mit dem Körper zu fehlen begann. Während dieser Zeit hatte ich das Glück Menschen wie Toxyc (arbeitet zur Zeit bei Paul Booth) und Tommy Lee kennen zu lernen, sie haben mich inspiriert und unterstützt. Vor allen Dingen haben sie mir aufgezeigt, dass ein anderer Weg möglich ist, was mir Mut gemacht hat wieder eine Tattoo-Maschine in die Hand zu nehmen um meine Interpretation des “DarkStyle” zu verbreiten. Dafür danke ich ihnen!

Flo: Arbeitest du lieber mit schwarz/grauen Schattierungen oder können deine Werke auch richtig bunt sein?

Labo-O-Kult: Ich gebe zu, dass ich im Moment am liebsten schwarz-grau arbeite, obwohl ich vielfach ein wenig Farbe benutze um ein Detail hervorzuheben. Jedoch gibt es auch Motive, die ich lieber mit Farbe tätowiere, wobei ich der realistischen Farbgebung den Vorzug gebe. Old- oder New School Farben mit dicker Linie waren noch nie mein Ding.

Flo: Viele werden nun sicherlich denken, wenn er fast nur Schädel tätowiert, muss ihm das doch irgendwann mal langweilig werden. Ist das so?

Labo-O-Kult: Nein, absolut nicht! Es gibt Millionen Varianten wie man einen Schädel tätowieren kann, von super-realistisch bis zu vollständig defragmentiert. Es gibt hunderttausende von Positionen, Lichteinfällen und Schattenwürfen, die man zudem unterschiedlich interpretieren und zeichnen/ tätowieren kann.
Zudem ist ja jeder echte Totenschädel einzigartig, wie ja auch jeder Mensch einzigartig ist. Mit dem Hintergrund, der Struktur, der Textur, dem Licht sind viele Möglichkeiten offen.

Flo: Was war deiner Meinung nach das verrückteste was du bis jetzt einem Kunden tätowiert hast?

Labo-O-Kult: Ich und meine Kunden werden vielfach als verrückt bezeichnet, vor allem wenn mich ein Kunde vollständig machen lässt und wir dann beide total mit dem Resultat zufrieden sind. Das ist doch schön verrückt und diese Momente liebe ich.

Flo: Ich habe auf der Messe gesehen das du viele deiner Entwürfe direkt auf die Haut zeichnest und fast gar nicht mit Schablonen arbeitest. Hat das einen bestimmten Grund?

Labo-O-Kult: Ich zeichne immer alle Skizzen selbst, dass heißt meine Tätowierungen sind Maßanfertigungen. Ich arbeite nicht mit Flashs, außer mit meinen eigenen. Im Studio habe ich klar mehr Zeit als auf Conventions und arbeite auch mit Stencils (Schablonen). Auf Messen fehlt vielfach die Zeit um lange an einer Zeichnung zu feilen und daher mache ich oft eine schnelle Skizze und zeichne dann direkt Freihand auf die Haut.

Flo: Was macht für dich den Unterschied im Studio oder auf einer Messe zu arbeiten?

Labo-O-Kult: Tattoo-Messen erlauben einen Austausch mit anderen Tätowierern, neue interessante Bekanntschaften zu schließen, seinen Stil zu propagieren, seinen Wirkungskreis auszudehnen und das berufliche Netzwerk auszubauen. Es ist immer eine gute Zeit für Diskussionen, Weiterbildung und Feste. Es hilft spontaner zu arbeiten, neue Herausforderungen anzunehmen und auf den Komfort seines Studios zu verzichten. Andererseits kann man nicht alles auf einer Messe stechen, wenn zum Beispiel die gewünschte Arbeit zu groß ist, um in einem Mal fertig zu werden, zieht man sich gerne in sein Studio zurück.

Flo: Katharina ist ja sozusagen deine bessere, oder um es für euch passender auszudrücken „dunklere” Hälfte. Was ist ihre Aufgabe im Studio?

Labo-O-Kult: Ohne sie, kein Labo-O-Kult. Nicht nur, dass sie mir finanziell beigestanden hat während des Aufbaus, sondern sie ist die Macherin des visuellen Images von Labo-O-Kult. Sie kreiert als Webmistress unsere Internetseite, steht hinter den Auftritten und betreut zudem unseren Blog. Sie ist die Organisatorin, Administratorin, Buchhalterin, Agentin, Managerin, Schreiberin, Werberin und Übersetzerin. Sie kreiert die Portofolio-Bücher, Visitenkarten, Aufkleber etc. Viele Kreationen, die wir für verschiedene Zwecke herstellen kreieren wir zusammen, ich mit Blei- und Farbstift, sie mit Mac und Grafikstift.

Flo: Seht ihr einen Unterschied zwischen der Tattooszene in der Schweiz und Deutschland?

Labo-O-Kult: Ich kenne die Szene in Deutschland nicht wirklich gut, was ich sagen kann ist aber, dass, wie das Land selbst, die Schweizer Szene kleiner und auch zurückhaltender ist. Und obwohl es hier in der Schweiz sehr interessante Tattoo-Künstler mit einem hohen Niveau gibt, fehlt es uns an Erfahrung und zudem macht sich wie in anderen Bereichen die Sprachgrenze bemerkbar. Persönlich können wir auch sagen, dass unser Stil besser in der deutschen Schweiz, Deutschland und Österreich ankommt als in Frankreich und in der französischen Schweiz, wo wir ja unser Studio haben.

Flo: Mit diesen Worten mag ich mich nun recht herzlich bei euch beiden bedanken, super das ihr euch die zeit genommen habt. Vielen Dank!

Labo-O-Kult: Wir danken Dir für dieses Interview und freuen uns auf die nächsten Conventions und Guestspots. Danke!

Flo: An alle Leser kann ich sagen: wenn ihr ein Tattoo von Guy haben wollt, schaut mal in der Schweiz oder auf einer der vielen Messen vorbei auf denen die zwei sind. Und Angst haben braucht niemand, sie beißen nicht.

Labo-O-Kult: Bist Du Dir da ganz sicher?

Flo: Ich muss weg!

Dunkelste Grüße
Flo

Infos und Kontakt:

Labo-O-Kult
Customized Drawings & Tattoo
Rue de Lausanne 81
Genève, Switzerland 1202

www.labo-o-kult.com
www.myspace.com/labo_o_kult
www.facebook.com/labookult
www.labo-o-kult.deviantart.com
www.labo-o-kult.blogspot.com

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